Das Grundlagenprogramm der EVP Schweiz

Das Evangelium gibt uns Impulse

Christsein in der Politik
Die Evangelische Volkspartei der Schweiz (EVP) ist ein Zusammenschluss von Menschen, die als Christen ihre politische Verantwortung erkannt haben und sie in Gemeinde, Kanton, Bund und in den weltweiten Zusammenhängen wahrnehmen wollen. Sie steht allen Frauen und Männern offen, die den vorliegenden Grundsätzen zustimmen können.

Kein Monopolanspruch 
Als eine Partei unter anderen erhebt die EVP nicht den Anspruch, den evangelischen Standpunkt allein zu vertreten. 

Ausgangspunkt der EVP-Politik
Das Evangelium nimmt Wert und Würde des Menschen ernst. Es wendet sich gegen jede Bevormundung des Gewissens und schärft es für die soziale Verantwortung. Dies verpflichtet uns zu einem verantwortungsvollen politischen Handeln. 

Bedrohung des Menschen
Wir bejahen die freiheitliche, demokratische und soziale Ordnung, in die wir hineingestellt sind, sehen sie aber bedroht 

Glaube, Hoffnung, Liebe
Der Glaube befreit uns zum Handeln. Er lässt uns nicht resignieren. Unsere Aufgabe ist es mitzuhelfen, diese Welt menschenwürdig zu gestalten. 

Menschliche Grenzen
Unser Parteiname ist kein Gütezeichen, sondern eine ständige Anforderung an uns selber. Im Wissen darum, dass jede politische Anstrengung einen vorläufigen Charakter hat und dass jeder Mensch sich irren kann, versuchen wir 

Wir wollen dem Menschen ein würdiges Dasein sichern

Volkspartei 
Die EVP nennt sich eine Volkspartei, weil in ihr Angehörige aller gesellschaftlichen Bereiche mitarbeiten und mitbestimmen. 

Wirtschaftlich ungebunden 
Die EVP ist unabhängig von Verbänden, Firmen und Institutionen, aber auch von den Kirchen und Gemeinschaften, denen ihre Mitglieder angehören. 

Einsatz für die Schwächsten
Die EVP vertritt keine Interessengruppen, will sich aber besonders für jene Menschen einsetzen, die trotz Sozialpartnerschaft und Sozialversicherungen von der modernen Gesellschaft vernachlässigt, gemieden oder überfordert werden. In diesem Sinn kann sie auch Sprecherin christlicher Sozialwerke sein. 

Auf Werte fixiert 
Unsere Grundwerte sind die ethischen Forderungen des Evangeliums, die wir in eine sachgerechte Politik umsetzen wollen. Wir sind uns freilich bewusst, dass sich dabei unterschiedliche, mitunter sogar widersprüchliche Folgerungen ergeben können. Darum kennen wir kein Parteidiktat. Die Mitglieder der EVP sind in erster Linie ihrem Gewissen verpflichtet. 

Der Mensch als Einzelwesen 
Fest steht aber, dass jeder Mensch als Einzelwesen ernst zu nehmen ist, ungeachtet seiner Leistung und seines Ansehens. Seine Person ist einmalig und unverfügbar. Zu ihrer Entfaltung bedarf sie der Freiheit von wirtschaftlichen und staatlichen Zwängen, aber auch der Freiheit von Not und Angst. Dafür setzen wir uns ein. 

Ideologisch ungebunden
Im Wissen um die Unvollkommenheit und Vergänglichkeit aller von Menschen errichteten Ordnungen lehnen wir politische Heilslehren ab. Weder können wir alles Neue als fortschrittlich noch alles Alte als erhaltenswert betrachten. 

Freiheit wozu? 
Diese Ungebundenheit ermöglicht uns, aus dem herkömmlichen Links-Rechts- Schema auszubrechen. Wir sehen unsere Aufgabe nicht nur im Ausgleich und in der Vermittlung, sondern auch darin, übersehene und verdrängte Probleme aufzugreifen und zukunftsweisende Lösungen zu erarbeiten. 

Verantwortung für die Menschen 
Fest steht auch, dass jeder Mensch als Glied der Gesellschaft der Zuwendung seiner Mitmenschen und der Hilfe der Gemeinschaft bedarf. Darum hat jeder auch für die anderen da zu sein, wie es dem Gebot der Nächstenliebe entspricht. Der Macht des Stärkeren ist das Recht des Schwächeren entgegenzusetzen. 

Verantwortung für die Dritte Welt 
Dies gilt nicht nur für den Bereich unseres Staates, sondern auch für den internationalen Bereich, wo sich reiche Industrie und arme Entwicklungsländer gegenüberstehen. 

Verantwortung für die Umwelt 
Die Natur und ihre Gaben sind uns anvertraut, damit wir sie unter grösstmöglicher Schonung verwalten und auch späteren Generationen erhalten, statt sie aus Verschwendungs- und Profitsucht zu plündern und zu zerstören. 

Träger der Verantwortung 
Was der Mensch allein oder im Zusammenschluss mit anderen, was die Familie oder die Gemeinde erfüllen können, soll ihnen überlassen sein. Was sie überfordert, ist an grössere Gemeinschaften zu delegieren. 

Der Staat als Notordnung 
Der Staat, den wir mitgestalten wollen, soll sich seines Charakters als unvollkommene und vorläufige Ordnung bewusst bleiben, indem er den Menschen schützt, aber nicht bedrängt, indem er Hilfe bietet, ohne die Selbsthilfe zu schwächen.

 

Das Evangelium ist kein Programmersatz. Für die Lösung der politischen Alltagsprobleme liefert es keine fixfertigen Rezepte. Das Evangelium ist auch keine Ideologie, die uns anleitet wie wir einen Idealstaat schaffen können. Das Reich Gottes – oder anders gesagt: das Paradies auf Erden – ist politisch nicht machbar. Wohl aber sind im Evangelium Grundwerte zu finden, von denen her eine Politik, die sich «evangelisch» nennt, zu entwickeln ist. 

Das Grundlagenprogramm hält die wesentlichen Punkte fest. Es wurde von der Delegiertenversammlung am 20. Januar 1979 in Zürich genehmigt.