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Interview Roman Rutz

«WIR MÜSSEN FRECHER, SELBSTBEWUSSTER UND LAUTER WERDEN!»

Er ist selten einfach nur dabei. Er packt gerne mit an, wirkt und gestaltet mit. Egoismus macht ihn wütend, die Leidenschaft der EVP für Mensch und Umwelt begeistert ihn. Die EVP braucht unbedingt ihre Mitglieder und sie soll selbstbewusster für ihre Anliegen einstehen: Der neue Generalsekretär Roman Rutz im Interview vor seinem Amtsantritt.

Roman, wie bist du zur Politik gekommen?

Ganz praktisch durch meine Maturaarbeit: Durch meine Arbeit «EVP und EDU – Zwei Kleinparteien im Vergleich» kam ich mit der EVP in Berührung und wurde noch vor Abgabe der Arbeit mit 18 Jahren Mitglied der Partei. Das erste Mal die Nationalratswahlen am Fernsehen verfolgt habe ich jedoch schon 1995 als 10-jähriger Junge. Damals wurde gerade ein anderer Toggenburger Jungbauer* erstmals in den Nationalrat gewählt… (*Anm. d. Red. gemeint ist Toni Brunner)

Was für ein Mensch ist Roman Rutz?

Ich bin ein sehr umgänglicher Mensch, der gerne anpackt und sich engagiert. Ich bin eigentlich selten irgendwo einfach nur dabei, ich möchte mitwirken und mitgestalten. Egal ob in der Kirche, im Sportverein oder in der Partei. Da ich mich für sehr viele Dinge begeistern kann, muss ich aufpassen, nicht überall mit dabei und nicht ständig unterwegs zu sein, sondern mir auch Zeit für mich und für gute Beziehungen zu nehmen. Ich muss nicht immer im Rampenlicht stehen, stehe aber auch gerne hin und übernehme Verantwortung.

«Ich muss nicht immer im Rampenlicht stehen, übernehme aber auch gerne Verantwortung.»

Warum machst du Politik? Was treibt dich an?

Mitwirken und mitgestalten. Viele Dinge, die unser Zusammenleben massgeblich bestimmen, werden politisch festgelegt. Da möchte ich dabei sein und nicht nur andere bestimmen lassen. Gleichzeitig schrecken mich Ungerechtigkeit, Masslosigkeit und Umweltverschmutzung auf. Es macht mich wütend, wenn in Parlamenten egoistische Anträge gestellt werden, die ein bestimmtes Klientel noch besserstellen, den Konsum stärken oder ärmere Länder und die Umwelt weiter ausbeuten möchten.

Weshalb ist die EVP deine politische Heimat?

Die EVP setzt sich aus Leidenschaft für Mensch und Umwelt ein. Das begeistert mich! Die Mitglieder der EVP tun das aus einem christlich fundierten Welt- und Menschenbild heraus. Ausserdem verfügen wir in der EVP über eine sehr gute Gesprächskultur: Unterschiedliche Meinungen haben Platz und können eingebracht werden, ohne dass dies die persönliche Beziehung belasten würde.

Was reizt dich als HSG-Ökonom, ausgerechnet die Stelle des Generalsekretärs der EVP Schweiz anzunehmen?

Als HSG-ler ist es gut, auch einmal weg aus der Ostschweiz zu kommen (lacht). Bern ist dafür sicher prädestiniert. Mich reizt, in Bern am politischen Puls der Schweiz zu sein und ausserdem die Partei meines Herzens mitzuprägen und in das nächste Parteijahrhundert zu begleiten.

Die EVP Schweiz hat strategisch und thematisch einen neuen Weg eingeschlagen. In die richtige Richtung oder siehst du Korrekturbedarf?

Als Mitglied der Geschäftsleitung sowie des Zentralvorstands kenne ich die EVP sehr gut und war im Strategieprozess von Anfang an dabei. Die Neustrukturierung der Parteiorgane war wichtig für uns, damit wir die Partei gut führen können: Schnell und unkompliziert, aber dennoch mit der nötigen basisdemokratischen Abstützung durch Vertreter der Kantonalparteien. Die inhaltliche Fokussierung auf unsere Schwerpunktthemen erachte ich als zwingend. Wir sind eine Kleinpartei und werden das mutmasslich auch bleiben. Nur wenn wir uns ganz gezielt auf unsere Kernthemen fokussieren, werden wir gehört und können wir etwas bewegen.

«Die inhaltliche Fokussierung auf unsere Schwerpunktthemen erachte ich als zwingend.»

Welche Herausforderungen siehst du auf dich zukommen?

Es wird Schlag auf Schlag gehen. Wenn ich im Juli beginne, stehen wichtige Entscheide und Aufgaben für das Jubiläumsjahr sowie die National- und Ständeratswahlen an. Zudem ist es heutzutage nicht mehr sexy, Mitglied einer Partei zu sein. Und doch lebt die EVP letztlich nur durch ihre Mitglieder. Ziel und Herausforderung ist es, mehr Leute mit unserer Vision «Aus Leidenschaft für Mensch und Umwelt. Für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Menschenwürde» anzustecken und sie für die EVP zu begeistern!

Welche Ziele hast du dir gesetzt?

Politisch und für die Partei werden die Ziele durch den Parteivorstand festgelegt. Unser Team im Generalsekretariat setzt diese Ziele dann zusammen mit der Partei um. Persönlich ist mir wichtig, die gute Stimmung im Generalsekretariat aufrecht zu erhalten und zu fördern. Mein Wunsch ist es, dass wir unsere Aufgaben gemeinsam angehen und gemeinsam neue Wege und Ideen entwickeln und umsetzen.

Worauf freust du dich am meisten?

Auf viele neue Begegnungen mit spannenden Menschen, die Zusammenarbeit im Generalsekretariat und generell das Arbeiten im und um das Bundeshaus – ein Gebäude, das mich seit Jahren fasziniert!

Wovor hast du Respekt?

Mit Jubiläum und Wahljahr stehen nächstes Jahr grosse Brocken an, die für die EVP kurzfristig existenziell sind. Die Führung und Leitung des Generalsekretariats mit allen Mitarbeitenden und allen Aufgaben ist in dieser Grössenordnung etwas Neues für mich. Darauf freue ich mich, begegne dem aber auch mit dem nötigen Respekt.

«Meine Traum-EVP hat in 5 Jahren in Bundesbern Fraktionsstärke und ist in allen Gemeindeparlamenten vertreten.»

General oder Sekretär? Welchen Stil dürfen wir von Roman Rutz erwarten?

Als ehemaliger Zivi bin ich sicher weniger der General. Ich habe zwar schon klare Vorstellungen  von dem, was es zu erreichen gilt und viele Ideen, wie man es erreichen kann. Wichtig ist mir aber vor allem, das Optimum aus den vielfältigen Ressourcen von Mitarbeitenden, Parteivorstand und Parteibasis herauszuholen. Wenn wir unsere Stärken, Ideen und Ressourcen zusammenbringen, können wir viel herausholen, viel erreichen und neue Wege gehen. Diese Atmosphäre zu kreieren, Menschen zu fördern und Ideen zusammenbringen, das soll mein Stil sein.


Wo siehst du an dieser nun bald 100-jährigen Dame EVP Schweiz Optimierungspotenzial?

Wir müssen frecher, selbstbewusster und lauter werden. Nicht nur national, sondern auch kantonal und lokal. Unsere Themen bewegen eine grosse Masse von Leuten, unsere Exponenten sind glaubwürdig und kompetent. Das müssen wir auch so verkaufen. Auch mal unkonventionell und (für die EVP) ungewohnt! Das mag manche erstaunen, vielleicht auch mal Widerspruch auslösen. Aber gerade als Christen verstecken wir uns manchmal zu fest mit unseren Anliegen, sind zu demütig und überlassen den anderen das Feld. Wenn wir aber etwas bewegen wollen, wenn Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Menschenwürde Realität werden soll, dann müssen wir das auch vermehrt öffentlich einfordern und dafür kämpfen.

Ein Traum zum Schluss: Wie sieht für dich die Traum-EVP Schweiz nach 5 Jahren Generalsekretär Roman Rutz aus?

Die Traum-EVP hat in 5 Jahren in Bundesbern Fraktionsstärke, ist in den Deutschweizer Kantonsparlamenten noch stärker und in allen Gemeindeparlamenten vertreten. Zudem werden erste Mandate in der Romandie errungen. Das ist der «mandatstechnische» Traum. Viel wichtiger aber: «Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Menschenwürde» werden in der Politik Realität! Jedes Mal, wenn politische Entscheide gegen eines dieser Prinzipien verstossen, wehrt sich die EVP vehement und lautstark und mit ihr eine wachsende Zahl an Schweizerinnen und Schweizer, Ausländerinnen und Ausländer. Wenn wir den Leuten erzählen, dass wir in der EVP sind, dann denken die nicht mehr «E.. was?» sondern an unseren Slogan «Aus Leidenschaft für Mensch und Umwelt», weil dieser gelebt und spürbar wird!