EVP-Nationalrat Walter Donzé (Frutigen, BE) hat in der heute zu Ende gehenden Frühjahrssession folgende Motion eingereicht: „Der Bundesrat wird gebeten, die Hauptakteure des Schweizer Finanzplatzes aufzufordern, möglichst rasch ein Ethik-Management-System einzuführen. Die nötigen Voraussetzungen sind zu schaffen, damit auch Schweizer Unternehmen mit einem Ethik-Gütesiegel ausgezeichnet werden können.“
Donzé begründet seinen Vorstoss wie folgt: „Ein Ethik-Management-System EMS ist ein Instrument einer ethisch orientierten Governance für eine Unternehmung oder eine Branche, in dem die handlungsanleitenden Werte, Strategien, Prozesse und Strukturen sowie Verantwortlichkeiten systemisch zusammengefasst sind und in dem die zentralen Wirkungen in eigener Verantwortung der Branche oder des Unternehmens transparent und kontrollierbar gemacht werden.
Angesichts der Wirtschaftskrise besteht eine der wichtigsten Massnahmen darin, neues Vertrauen für Firmen und Institutionen aufzubauen. In seiner Antwort auf die Interpellation 08.3912 bestätigt der Bundesrat die Bedeutung von Werten und Tugenden für die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaft und Finanzplatz. Neue Gesetze und Paragraphen ändern wenig, wenn die Gesinnung die alte bleibt. Sie schnüren lediglich die Flexibilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit ein.
Ähnlich einem Qualitätsmanagement, allenfalls auch in Ergänzung bestehender Modelle, könnten ethische Grundsätze und Verhaltensweisen mit einem EMS institutionalisiert und mit einem Rating belohnt werden. Ideen und Angebote in dieser Richtung existieren bereits. Der Bundesrat könnte modellhaft mit ausgewählten Teilen der eidgenössischen Verwaltung vorangehen. Vor allem aber könnte er seinen Einfluss dort geltend machen, wo er die Wirtschaft und den Finanzplatz in der Krise unterstützt.“
Zürich, den 20. März 2009/nh