Praktiker müssen Lehrplan stärker mitprägen können

Die EVP Schweiz erachtet einen schlanken Rahmenlehrplan zur Harmonisierung der Volksschule als vollkommen ausreichend: Der „Lehrplan 21“ muss nicht alles bis ins letzte Detail regeln. Ein Fach „Religion und Kultur“ soll hingegen Standard werden. Drittens werden schwächere Schüler durch die prinzipielle Orientierung am Regel-Lehrplan überfordert. Schliesslich muss die Lehrerschaft besser in die Lehrplanentwicklung eingebunden werden.

Die EVP Schweiz ist der Ansicht, dass die Grundlagen für den Lehrplan 21 in wesentlichen Punkten überarbeitet werden müssen, damit ein schlanker Rahmenlehrplan für eine lebendige Schulpraxis entstehen kann. Eine vernünftige Harmonisierung der Bildung in der Schweiz ist ein unbestrittenes Anliegen. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, ob der neue Lehrplan sehr vieles bis ins Detail regeln soll. Ein schlanker Deutschschweizer Rahmenlehrplan zur Harmonisierung unserer Volksschule würde seinen Zweck bestens erfüllen, wie der Zürcher EVP-Bildungsrat Hanspeter Amstutz ausführt: „Ein zu ausführlicher Lehrplan ist in der Praxis wenig hilfreich und engt die Lehrpersonen in ihrer gestalterischen Freiheit ein.“

 

Zweitens fordert die EVP Schweiz eine generelle Einführung des Fachs Religion und Kultur nach Zürcher Vorbild in allen Kantonen. Die Volksschule kann nur dann eine gute Grundlage für das Leben bieten, wenn ethische und religiöse Themen ausreichend behandelt werden. Nur wer sich im Bereich der Religion auskennt, kann sich erfolgreich mit Menschen anderer Religionen verständigen. Ein fairer Umgang mit ihnen ist nur möglich, wenn man die Eigenarten ihrer weltanschaulichen Grundlage kennt und in Sachfragen zwischen kulturellen und religiösen Aspekten unterscheiden kann.

 

Schliesslich werden in der Vernehmlassung zum Lehrplan 21 drei grundlegende Fragen nur indirekt angesprochen, obwohl diese eine entscheidende Weichenstellung für die schweizerische Schulentwicklung bedeuten:

 

1. Gleicher Schulstoff für alle entspricht nicht den Begabungsprofilen

Bei den Kompetenzerwartungen wird davon ausgegangen, dass alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich die gleichen Themen und den gleichen Schulstoff kennen lernen. Nur im Schwierigkeitsgrad und beim stofflichen Umfang werden Unterschiede gemacht. Dieses wenig ressourcenorientierte Lehrplankonzept entspricht kaum den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Forschung und wird stärker individualisierendem Lernen überhaupt nicht gerecht.

 

2. Schwächere Schüler werden überfordert

Für viele schwächere Schülerinnen und Schüler bedeutet die prinzipielle Orientierung an den Regel-Lehrplänen eine erhebliche Belastung. Es dient diesen Kindern und Jugendlichen kaum, wenn sie in allen Fachbereichen letztlich an den grundlegenden Kompetenzerwartungen des Lehrplans gemessen werden und nur über Ausnahmeregelungen beurteilt werden können.

 

3. Ungenügende Einbindung der Lehrerschaft in die Lehrplanentwicklung

Ein so bedeutungsvolles Projekt wie die Schaffung eines Deutschschweizer Lehrplans verlangt eine viel stärkere Einbindung der Lehrerschaft schon in der Anfangsphase dieses Bildungsvorhabens. Die Entwicklung im Lehrmittelsektor und in der modernen Didaktik haben gezeigt, dass das praxisbezogene Wissen der Lehrkräfte von entscheidender Bedeutung für das Gelingen von Bildungsprojekten ist. Im Vergleich zur Bildungsverwaltung und zur Erziehungswissenschaft sind die Lehrpersonen in den Lehrplangremien deutlich untervertreten.

 

Zürich, den 29. Mai 2009/nh