RENTENREFORM 2020: «DIE GESAMTE ALTERSVORSORGE STEHT AUF DER KIPPE.»

Am 24. September 2017 stimmen wir über die «Altersvorsorge 2020» ab. Die wichtigste Reform des Landes seit Jahrzehnten ist ebenso nötig wie umstritten. Umfragen zufolge droht sie sogar zu scheitern - mit unabsehbaren Folgen für die Sozialwerke der Schweiz. Die Delegiertenversammlung der EVP Schweiz hatte im Juni mit 82 zu 3 Stimmen klar die Ja- Parole beschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Weshalb ist die Reform so dringend?

Wir werden immer älter, arbeiten jedoch nicht länger und nehmen damit die Altersvorsorge immer stärker in Anspruch. Die AHV schreibt bereits heute rote Zahlen. Seit 1975 zahlen wir gleich hohe Lohnbeiträge, obwohl sich die Zahl der Rentnerinnen und Rentner inzwischen mehr als verdoppelt hat. Um unsere Altersvorsorge langfristig zu sichern, müssen jetzt Massnahmen zu ihrer Finanzierung ergriffen werden. Ohne Reform steigt das kumulierte Defizit in der AHV bis 2030 auf mehr als 40 Milliarden an. Der AHV-Ausgleichsfonds wäre nicht mehr in der Lage, die laufenden Renten zu bezahlen!

 

 

« Mit dieser Revision ist die Altersvorsorge für das nächste Jahrzehnt gesichert: ein erster, grosser und dringender Schritt. Danach braucht es sofort eine Weiterentwicklung hin zu einer AHV, die der Demographie angepasst ist.»

Maja Ingold, Nationalrätin EVP Zürich

 

 

Zudem geschieht in der 2. Säule bereits heute jährlich eine hochgradig generationenungerechte Milliarden-Umverteilung von den Jungen zu den Alten: Wegen des hohen Umwandlungssatzes bezahlt die heute berufstätige Generation pro Jahr 1,3 Milliarden an die Rentnergenation. Die Jungen müssen die Renten der Pensionierten mitfinanzieren, weil die Pensionskassen nicht mehr genug verdienen. Dabei wäre die Idee der 2. Säule eindeutig, dass jeder für sich selber spart. Seit 20 Jahren gab es keine Anpassungen, alle Versuche scheiterten im Parlament oder an der Urne. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verschärft sich das Problem weiter und die junge Generation wird doppelt bestraft.

Ist diese Reform nicht gerade für die Jungen ungerecht und wenig nachhaltig?

Niemand bestreitet ernsthaft, dass die Reform für die jungen Generationen immer teurer wird, je länger man damit zuwartet. Jeder auch noch so vorläufige Schritt heute belastet die Jungen morgen weniger. Abgesehen davon, dass die ungerechte Umverteilung in der 2. Säule erbarmungslos weiterläuft. Klar ist aber auch, dass es weitere Reformschritte braucht.

 

 

«Wir Jungen gelten als Verlierer. Ohne Reform wären unsere Verluste jedoch viel höher - dann steht die gesamte Altersvorsorge auf der Kippe.»

Claudia Schürch, Präsidentin *jevp

Was wären die Alternativen zur heutigen Reform?

Alles deutet darauf hin, dass Reformgegner im Parlament auf ein baldiges Rentenalter 67 und Leistungsabbau, sprich tiefere Renten, hinarbeiten. Bis zu einer Einigung würde es zudem erneut-teure-Jahre dauern.

WAS WILL DIE REFORM?

• Einheitliches Rentenalter: Nach einer Übergangsphase erfolgt eine schrittweise Anpassung auf ein einheitliches Referenzalter 65 für Frau und Mann ab 2021.

• Flexibler Rentenbezug zwischen 62 und 70 Jahren mit einem dritten Vorbezugsjahr sowie Teilrentenbezug und Teilrentenaufschub.

• Senkung des BVG-Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent in vier Schritten von je 0,2 Prozentpunkten für den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge.

• Ausgleichsmassnahmen in BV zum Erhalt des Rentenniveaus : Die Vorsorgelücken für kleine Einkommen und Teilzeitbeschäftigte (vor allem Frauen) werden geschlossen. Der Koordinationsabzug soll gesenkt und flexibilisiert werden (40 Prozent des Jahreslohnes, mindestens die minimale AHV-Rente).

• Ausgleichsmassnahmen zum Erhalt des Rentenniveaus in der AHV : 70 CHF pro Monat mehr AHV für Neurentner sowie Anheben des Ehepaarplafonds von 150 auf 155 Prozent.

WARUM JA ZUR ALTERSREFORM 2020?

•Ohne heutige Reform sind die künftigen Altersrenten gefährdet.

• Mit diesem ersten Reformschritt können bis 2030 sichere Renten garantiert werden.

• Die ungerechte Umverteilung in der 2. Säule von jung auf alt wird endlich reduziert.

• Die Finanzierung über die Mehrwertsteuer, durch Arbeitnehmende und Arbeitgebende sowie den Bund ist fair und sozial.

• Durch die praktisch vollständigen Kompensationsmassnahmen können vor allem auch für Einkommensschwache, Teilzeitarbeitende und Frauen die Rentenlücken geschlossen werden. Diese Massnahmen sind ein sozial verträglicher Kompromiss.

• Die Anhebung des Ehepaarplafonds ist ein wichtiger Schritt zur Beseitigung der Heiratsstrafe bei der AHV.

• Teilzeit und tiefere Löhne sind besser versichert. Die Rentenungleichheit zwischen Männern und Frauen nimmt ab.

• Die Übergangsgeneration profitiert vom aktuellen Umwandlungssatz und von der höheren AHV-Rente, bezahlt jedoch bis zur Pensionierung höhere Lohnbeiträge.

• Heutige Rentner sind erst ab 2021 von der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent betroffen.