Nur ein Referendum kann das Tor zur Selektion von Menschen noch schliessen

Das Natio­nale Komi­tee „NEIN zur PID“ ist enttäu­scht, dass Volk und Stände die vor­ges­chla­gene Ver­fas­sung­sän­de­rung zur Fortp­flan­zung­sme­di­zin und Gen­tech­no­lo­gie ange­nom­men haben. „Die­ser ver­meint­lich harm­lose Ver­fas­sung­sar­ti­kel ermö­glicht nun die PID und damit die gezielte Selek­tion von Men­schen. Er öff­net zudem die Tore weit für ethisch unbe­grenzte Gen­tests an men­schli­chen Embryo­nen“, zeigt sich Co-Präsidentin und EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller besorgt. Das über­par­tei­liche Komi­tee aus Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern von BDP, CVP, EDU, EVP, SP und SVP kün­digt nun das Refe­ren­dum gegen das revi­dierte Fortp­flan­zung­sme­di­zin­ge­setz an.

Dieses vom Par­la­ment bereits verab­schie­dete Gesetz könnte ansons­ten mit der Ver­fas­sung­sän­de­rung in Kraft tre­ten. Es regelt die bisher ver­bo­tene Präim­plan­ta­tions­diag­nos­tik sowie das Tief­ge­frie­ren men­schli­cher Embryo­nen.

Komi­tee kün­digt Refe­ren­dum an

Das Komi­tee kün­digt an, nun „mit einer noch brei­te­ren Koa­li­tion das Refe­ren­dum gegen die viel zu weit gehende Revi­sion des Fortp­flan­zung­sme­di­zin­ge­setzes zu ergrei­fen“, betont Co-Präsidentin und SP-Nationalrätin Susanne Leu­te­neg­ger Obe­rhol­zer. 

Nur wer Embryo­nen zu Zell­hau­fen ent­men­schlicht, kann den Embryo­nen­schutz auf­he­ben

Die ange­nom­mene Ver­fas­sung­sän­de­rung höhlt nach Ansicht des Komi­tees den ver­fas­sung­srecht­lich veran­ker­ten Embryo­nen­schutz kom­plett aus. Das revi­dierte Fortp­flan­zung­sme­di­zin­ge­setz (rFMedG) würde das Tief­ge­frie­ren belie­big vie­ler Embryo­nen erlau­ben. Diese müss­ten jedoch laut Gesetz spä­tes­tens nach zehn Jah­ren auf­ge­taut, ver­nich­tet oder der For­schung „zur Verfü­gung ges­tellt“ wer­den. „Mich hat bestürzt, wie die Befür­wor­ter im Abs­tim­mung­skampf den men­schli­chen Embryo kon­sequent zu einem Zell­hau­fen degra­diert haben, um ihn so der Ver­nich­tung preis­ge­ben zu kön­nen“,  kom­men­tiert Co-Präsident Mar­tin Friedli (a. Gross­rat EDU).

Das Tor ist offen für unbe­grenzte Gen­tests und eine schran­ken­lose Fortp­flan­zung­sme­di­zin

Der Blick nach Gross­bri­tan­nien zeigt, dass die Grenze, welche Gen­tests zur Aus­son­de­rung von Embryo­nen für welche Indi­ka­tio­nen ange­wen­det wer­den dür­fen und welche nicht, kaum mehr gezo­gen wer­den kann. „Wei­tere Libe­ra­li­sie­rung­sschritte wie die Hers­tel­lung von Ret­ter­ba­bys, Eizells­pende, Embryo­nens­pende und Leih­mut­ter­schaft sind auch in der Schweiz bereits Gegens­tand der poli­ti­schen Dis­kus­sion“, gibt SVP-Ständerat und Co-Präsident Peter Föhn zu Beden­ken. Ist die PID für Chro­mo­so­me­na­no­ma­lien erst ein­mal erlaubt, ist es, wie das Bei­spiel USA zeigt, kein gros­ser Schritt mehr zur Zulas­sung von Desi­gner­kin­dern – das heisst einer Selek­tion nach Ges­chlecht, Haar und Augen­farbe sowie gewün­sch­ten kör­per­li­chen und geis­ti­gen Eigen­schaf­ten.

Kran­khei­ten the­ra­pie­ren, nicht Betrof­fene selek­tio­nie­ren

Die PID ist fak­tisch ein Selek­tion­sins­tru­ment. Der Ent­scheid zwi­schen „lebens­wer­tem“ und ver­meint­lich „leben­sun­wer­tem“ Leben wird ins Labor ver­la­gert. „Die Gefahr bes­teht, dass Men­schen mit einer Behin­de­rung künf­tig als `leben­sun­wert` und ver­meid­bares Risiko gebrand­markt wer­den“, warnt Co-Präsident und CVP-Nationalrat Chris­tian Lohr. Leis­tungs­ver­wei­ge­run­gen der Sozial­ver­si­che­run­gen und Kran­ken­kas­sen könn­ten die Folge sein. Die Zulas­sung der PID würde einen star­ken gesell­schaft­li­chen Druck auf wer­dende Eltern ausü­ben, behin­dertes Leben zu verhin­dern.

In einer huma­nen Gesell­schaft sollte es jedoch Auf­gabe der Poli­tik, der Gesell­schaft und der Gesetz­ge­bung sein, Men­schen mit Behin­de­rung sozial und wirt­schaft­lich zu inte­grie­ren – nicht sie zu verhin­dern und zu eli­mi­nie­ren. „Die Auf­gabe der Medi­zin muss es sein, Kran­khei­ten zu the­ra­pie­ren und nicht, Betrof­fene zu selek­tio­nie­ren“, for­dert Co-Präsidentin Marianne Streiff-Feller, EVP.

Der Nut­zen der PID für kin­der­lose Paare ist wis­sen­schaft­lich nicht erwie­sen

Kommt ersch­we­rend hinzu, dass der Nut­zen der PID für die Fortp­flan­zung­sthe­ra­pie bis heute wis­sen­schaft­lich nicht ein­mal erwie­sen ist. Die Behaup­tung, die PID würde die Erfolg­schan­cen bei der Behand­lung kin­der­lo­ser Paare erhö­hen, ist wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar. Die Euro­pean Society of Human Repro­duc­tion (ESHRE), die wich­tig­ste europäische Dachor­ga­ni­sa­tion der Fortp­flan­zung­sme­di­zi­ner, bestä­tigt auf Anfrage: „Der posi­tive Effekt der PID mit Aneuploidie-Screening ist nicht bewie­sen“. Im Gegen­teil: Ver­schie­dene Stu­dien bele­gen, dass die Gebur­ten­rate bei der künst­li­chen Befruch­tung ohne PID-Screening signi­fi­kant höher ist als mit PID.


Medien­kon­takt:

  • Marianne Streiff-Feller, Natio­nalrä­tin, Prä­si­den­tin EVP Schweiz:
    079 664 74 57
  • Chris­tian Lohr, Natio­nal­rat CVP: 079 405 41 72
  • Susanne Leu­te­neg­ger Obe­rhol­zer, Natio­nalrä­tin SP: 079 673 01 03
  • Peter Föhn, Stän­de­rat SVP: 079 569 04 80
  • Mar­tin Friedli, a. Gross­rat EDU, 079 848 97 96
  • Joel Blu­nier, Kam­pa­gnen­lei­ter, Gene­ral­se­kretär EVP Schweiz: 076 379 76 79

 

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