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Offenheit schützt – Abschottung schadet
Die Schweiz stimmt über die «Nachhaltigkeits-Initiative – Keine 10-Millionen-Schweiz!» der SVP ab. Sie verspricht, Wohlstand und Sicherheit durch strikte Zuwanderungsbegrenzung zu schützen. Ein Irrweg – und ein gefährlicher dazu. Die Initiative würde nicht nur den Fachkräftemangel dramatisch verschärfen, sondern wohl auch zur Kündigung der Bilateralen führen. Das wäre kein Schutz der Schweiz – sondern ein Schuss ins eigene Bein. Die EVP sagt Nein.
Schweiz lebt von Offenheit
Die Schweiz ist erfolgreich, weil sie offen ist – nicht trotzdem, sondern deswegen. Fachkräfte aus dem Ausland behandeln unsere Kranken, pflegen unsere Seniorinnen und Senioren, bauen unsere Infrastruktur und treiben unsere Wirtschaft voran. Ein Spital ohne ausländisches Pflegepersonal – undenkbar. Heute fehlen bereits Tausende Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Ein starrer Bevölkerungsdeckel würde diesen Mangel dramatisch verschärfen – mit direkten Folgen für uns alle: längere Wartezeiten, überlastetes Personal, schlechtere Versorgung. Ohne gezielte Zuwanderung droht ein Versorgungskollaps – nicht nur in der Pflege, sondern auch im Handwerk, im Bau, im Tourismus und in der Landwirtschaft.
Demografischer Wandel
Dazu kommt die Alterung der Bevölkerung. Jedes Jahr gehen 20'000 Menschen mehr in Pension, als junge Berufsleute nachrücken. In wenigen Jahren werden es 30'000 sein. Das gefährdet auch die AHV – denn das System funktioniert nur, wenn genügend Erwerbstätige einzahlen. Das ist keine Meinung. Das sind Zahlen. Ohne Zuwanderung gerät das Verhältnis zwischen arbeitender Bevölkerung und jener in Rente noch stärker in Schieflage.
Deckel schafft Chaos
Die Initiative will einen starren Bevölkerungsdeckel in die Verfassung schreiben. Mit verheerenden Folgen bereits in wenigen Jahren: einem Fachkräfte-Chaos, einem Bilateralen-Chaos und einem AHV-Chaos. Die Marke von 9,5 Millionen Menschen – ab der laut Initiativtext erste Massnahmen ergriffen werden müssten – dürfte laut Prognosen bereits 2031 erreicht sein. Der nächste Schritt würde bei 10 Millionen Menschen noch vor 2050 folgen: Dann verlangt die Initiative die Kündigung der Personenfreizügigkeit, womit automatisch die gesamten Bilateralen I mit der EU gekündigt würden. Das hätte verheerende Folgen für Land- und Luftverkehr, Forschung sowie den Handel mit unserer wichtigsten Handelspartnerin.
Pragmatische Lösungen
Ja, Zuwanderung bringt Herausforderungen. Steigende Mieten und Druck auf die Infrastruktur sind real. Doch der schweizerische Weg war immer pragmatisch und lösungsorientiert – nicht planwirtschaftlich und bürokratisch. Die Antwort auf überlastete Infrastruktur ist Investition – nicht Abschottung.
Die Schweiz hat die bisher erfolgte Zuwanderung gut absorbiert. Integration und Wachstum sind Teil des Schweizer Erfolgsmodells. Dieses Modell jetzt für eine Verfassungsbestimmung mit starrem Zahlenwert aufzugeben, wäre ein historischer Fehler.
EVP sagt klar Nein
Die Delegierten der EVP haben mit 86 zu 3 Stimmen gegen die Initiative entschieden. Das ist ein klares Bekenntnis zu einer Schweiz, die offen, sozial und verantwortungsvoll bleibt. Jetzt liegt es an der Schweiz.
Das spricht dagegen
Chaos und Unsicherheit
Gerade in global unsicheren Zeiten ist es für die Schweiz unverzichtbar, stabile Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner, der EU, zu haben. Die Initiative gefährdet den bilateralen Erfolgsweg.
Gefahr für Wohlstand und Gesundheit
Ohne Zuwanderung finden Unternehmen noch weniger qualifizierte Arbeitskräfte, was dem Wohlstand schadet. Wartezeiten in wichtigen Bereichen wie der Gesundheitsversorgung werden noch länger.
Keine Lösung für illegale Migration
Die Initiative könnte bei Ausstieg der Schweiz aus dem Dublin- und Schengen-System sogar zu mehr irregulärer Migration und einer höheren Zahl von Asylgesuchen führen.