Ernährungsinitiative: Gut gemeint, aber der falsche Weg

Gut gemeint genügt nicht. Die Volksinitiative mit dem umständlichen Titel «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70% erreichen. Die EVP und das einstimmige Parlament empfehlen ein Nein.

Die Vorlage greift berechtigte Anliegen auf und will den Erhalt von Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und sauberem Trinkwasser sicherstellen. Das sind Themen, für die sich die EVP seit jeher tatkräftig im Parlament einsetzt.

 

Der konkrete Forderungskatalog der Initiative geht jedoch viel zu weit. Dieser verlangt einen Selbstversorgungsgrad von heute rund 46% auf 70% innert zehn Jahren – ein Wert, der nicht einmal im 2. Weltkrieg erreicht wurde. Um eine so hohe Selbstversorgung zu erreichen, müsste der Tierbestand um fast die Hälfte reduziert werden, was Bauernfamilien, besonders im Berggebiet, existenziell bedrohen und bedeutende Folgekosten nach sich ziehen würde. Der Staat müsste zudem vorschreiben, wie landwirtschaftliche Flächen genutzt werden – und damit letztlich, was auf den Teller kommt. Diese staatlichen Eingriffe widersprechen den Grundsätzen der EVP.

 

Trotz Sympathien für die Stossrichtung der Initiative sind ihre Ziele und der Zeitrahmen unrealistisch, und der Preis – massive staatliche Eingriffe ohne substanziellen Mehrwert – ist zu hoch. Die Schweizer Landwirtschaft verdient echte Lösungen statt Symbolpolitik.

 

Nik Gugger
Nationalrat EVP ZH

Das verlangt die Initiative:

Verbindlicher Selbstversorgungsgrad von 70%, damit die Bevölkerung auch bei Ausfall der Importe ernährt werden könnte. Bisher liegt der Selbstversorgungsgrad bei rund 46% – 70% erreichte die Schweiz nicht einmal im 2. Weltkrieg.

Neuausrichtung der Land- und Ernährungswirtschaft auf pflanzliche Lebensmittel und Umverteilung der Agrarsubventionen von Tierprodukten hin zu pflanzlicher Produktion. Damit würde die Bevölkerung zu einer veganen Lebensweise gedrängt.

Nationale Planung der Wasserversorgung sowie Erhalt von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Wichtige Ziele, die auch ohne diese Initiative verfolgt werden.

Das spricht dagegen:

Eingriff in Konsumfreiheit: Ein Selbstversorgungsgrad von 70% ist nur erreichbar, wenn der Staat den Konsum tierischer Produkte massiv einschränkt. Dies wäre ein verordneter Ernährungswandel hin zu veganer Kost und greift in die persönliche Freiheit der Bevölkerung ein.

Teurere Lebensmittel: Die vorgesehenen Auflagen würden die Erträge im Pflanzenbau senken. Geringere Verfügbarkeit und höhere Produktionskosten würden die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, besonders zum Nachteil einkommensschwacher Haushalte.

Grasland Schweiz: Die Schweiz ist ein Grasland, in vielen Regionen und Gebieten ist Grünlandnutzung mit Nutztieren die einzig sinnvolle Bewirtschaftungsform. Ohne Tiere würde diese Kulturlandschaft zuwachsen, Biodiversität ginge verloren und Arbeitsplätze sowie Schweizer Produkte würden wegfallen.